Seelentief und lebensehrlich

Zutiefst lebensehrlich ist Ulrike Schieferstein auch mit diesem Gemälde. Der Titel  „Ohne Worte“ hat uns noch einmal sehr viel zu sagen hat. Sie verschärft mit diesem so unscheinbaren Bildtitel die schneidende Tiefe und lässt das Motiv wahrhaftig plastisch werden. Manchem mag Ulrike Schieferstein auch schmerzhafte Gegenwartserfahrung oder nicht weniger schmerzhafte Erinnerung aufrufen.

Wenn die Malerin uns mit „True Love“ zu sagen weiß, dass die Verbundenheit der Herzen doch so ganz ohne Worte auskomme, dann widerspricht sie sich selbst mit ihrem Gemälde „Ohne Worte“? Wohl kaum. Denn wo die Liebenden sich endlich nichts mehr zu sagen haben, da leben sie im besten Falle routiniert aneinander vorbei…

Was die Malerin mit „Ohne Worte“ seelentief und melancholisch ist, das ist sie mit „NY Bronx“ nicht weniger lebensehrlich – und ein Quäntchen ironisch:

Die Bronx hatte sich seit dem Zweiten Weltkrieg zu einem New Yorker Stadtteil mit gelinde gesagt zweifelhaftem Ruf entwickelt. Nicht erst heute strampelt die Bronx sich mühsam frei von dieser Erbschaft und strebt hinein ins bunte Leben. Ulrike Schieferstein bringt das mit Humor auf den Punkt. Zugleich aber kommt mir auch hier der Begriff „lebensehrlich“ in den Sinn, wenn auch dieses Gemälde doch mit einem so ganz eigenen Charakter daherkommt.

(Menschenbilder – die Farbe Blau)

(Menschenbilder – „Jolanda„)