Portrait als Lebensgeschichte

Portrait als Lebensgeschichte

Mit „BB“ präsentiert Ulrike Schieferstein ein Portrait der ganz besonderen Art. Im Gegensatz zu der nicht weniger bekannten „Hepburn“ sehen wir hier nicht ein Gesicht, eine Person. Sondern die Malerin erzählt uns zugleich in knappen Zügen eine Lebensgeschichte.

Ganz alte Portraitisten beschränkten sich ebenfalls nicht auf die Person in ihrer körperlichen Erscheinung. Sondern sie schmückten zum Beispiel die Mächtigen mit den Insignien der Macht. Oder sie umgaben sie etwa mit Symbolen ihrer Jagdlust… Ulrike Schieferstein greift das auf – und setzt es doch ganz anders um. Sie skizziert Wegmarken der Lebensgeschichte, die für die „BB“ besonders hervorstechend sind.

Eine solche Wegmarke etwa stellt Gunter Sachs im Leben der Brigitte Bardot dar. Ein Teil dieser Wegmarke sind jene Blumen, die Gunter Sachs vom Hubschrauber aus auf Bardot’s Grundstück in Saint Tropez niederregnen ließ.

… eine spektakuläre Aktion im Übrigen, mit der Sachs endlich die positive Aufmerksamkeit der Bardot auf sich zu lenken verstand.

Ein anderer wichtiger Meilenstein in Bardot’s Leben ist ihr Einsatz gegen die alljährliche Jagd auf Robbenbabies.

Bardot wechselte die Bühne: Sie beendete ganz bewusst ihr Leben als Schauspielerin und Model, als ihr Ruhm am größten war. Sie nutzte fortan diesen Ruhm, um sich Umweltthemen zu widmen.

Prägnant hat Ulrike Schieferstein ihr Portrait von der Bardot verwoben mit einer Kurzbiografie. Das lässt mit Spannung auf weitere Darstellungen anderer Persönlichkeiten warten…

Menschenbilder: Seelenbilder

Spannend sind diese anderen Menschenbilder, mit denen Ulrike Schieferstein nicht „portraitiert“, sondern uns „den Menschen“ zeigt. Dabei vom Menschen so ganz unterschiedliche Facetten, spricht die Malerin ganz unverfälscht und klar mitten aus dem Herzen zu uns – und trifft: uns.
Sie trifft uns mit „True Love“: Der weiße Schwan, der auch eine Unbeflecktheit symbolisieren mag – unbefleckt von Hinterlist und Lügen. Denn schnell wird uns klar: Die zwei verstehen sich niemals in den Worten – und doch um so inniger bloß in den Herzen.

Wieder in einem anderen Stimmungsbild macht die „Magd“ sich auf den Weg. Bäuerlich und landfein, geht sie melancholisch, doch erwartungsfroh hinaus in das warme Gelb. Die Malerin will uns gar nicht zu weit herausreißen aus den Träumen, die wir Idylle nennen. Der Schatten einer ärmlichen Existenz der abhängigen Magd? Ulrike Schieferstein begnügt sich mit dem Blick auf Füße und Schuhwerk, den sie uns gewährt, um anzudeuten, dass die Magd das Glück nicht geschenkt bekommt, sondern es sich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht nehmen lässt.

Mit „Eleganz“ zeigt uns die Schieferstein eine Dame in klassisch weiblicher Eleganz – die in keinem Widerspruch dazu die pure Lebensfreude versprüht. Rot – klassisch interpretiert als die Farbe des Kriegsgottes Mars? Ulrike Schieferstein deutet uns „rot“ ganz neu.

(andere Gemälde dieser Kategorie)

(Menschenbilder – die Farbe Blau)

(Menschenbilder – „Jolanda„)

Mit Respekt berührungsnah

Ulrike Schieferstein begegnet den Menschen mit großem Respekt. Und zugleich schafft sie es, der portraitierten Person sehr nahe zu kommen. Wo aber manch anderer Künstler gern entlarvend nahe tritt, da sucht die Schieferstein mit menschlicher Nähe zu berühren – und wahrt doch der portraitierten Person gegenüber alle liebevolle Achtung und Würde.

Die „Hepburn“ – so der nüchterne Titel des obigen Werkes – lernen wir hier weniger gewöhnlich als Dame von gewisser Reife kennen. Gewöhnlich nämlich kennen wir sie als die kecke junge Frau, die sich auf der Leinwand großen Ruhm errungen hat.

Ebenso auch ist „Hemingway“ ungewöhnlich getroffen : Nicht schrankenlos – und doch irgendwie unmittelbar. So ungewöhnlich die Schieferstein hier eine Annäherung an Hemingway findet, mit so viel Respekt begegnet sie ihm auch. Da führt die Malerin den Pinsel mit impressionistischem Charakter treffsicher auf die Person zu, die sie uns ganz unalltäglich nahebringt.

(hier geht’s zu einem Menschenbild ganz anderer Art)

(Menschenbilder – „Jolanda„)

(Brigitte Bardot im Portrait)