Stimmungen mit tiefer Unmittelbarkeit

Mit „Sonnenaufgang“ präsentiert Ulrike Schieferstein uns ein Gemälde mit gewohnt lockerem Pinselstrich treffsicher. … und berührt uns tief mit erfühlbaren Stimmungen.  Da werden ganz von selbst oder beiläufig Träume und Sehnsüchte wach.

Mit diesem Sonnenaufgang nimmt die Malerin uns mit einer atemberaubenden Authentizität mit an die Küste. Da spüren wir noch den kühlen Windhauch der Nacht. Gerade erst bricht die Sonne hervor – und tut doch so, als hätte sie schon Kraft. Kein Erinnerungsfoto könnte uns solche Stimmungen und das Nacherleben so nahe bringen. Ein Foto kann da – selbst bei guter Nachbearbeitung – nur oder wenigstens vorsichtig anrühren. Ulrike Schieferstein schafft mit Öl auf Leinwand ein Abbild der menschlichen Wahrnehmung und hält den Moment gleichsam für die Ewigkeit fest.

Mit „Abendstimmung“ schenkt Ulrike Schieferstein uns einen lauen Sommerabend am Mittelmeer. Hier spielt die Malerin mit spannenden Kontrasten. Gerade schwelt noch die Hitze des Tages nach. Und schon treibt der aufkommende Wind uns auch eine Gänsehaut über den Leib.
Wir schauen in die tiefstehende Sonne, die die Hausfassade in unserem Rücken im warmen Orange glühen lässt. Ein Unwetter zieht im Südwesten auf – aber auf säuleneingefasster Terrasse bleiben wir wohlbehütet.

Auf eine ganz andere Weise spielt Ulrike Schieferstein mit den Stimmungen in ihrem Gemälde: „Wasserfall“. Denn hier ist der Wasserfall bloßes Beiwerk. Alles, was sich in diesem Werk abspielt, findet zwischen den beiden jungen Damen statt, die dargestellt sind. Die Malerin präsentiert uns eines ihrer Menschenbilder – und führt uns an der Nase herum… mit dem wundersamen Bildtitel. Man fragt sich auf den ersten Blick, ob diese Frauen überhaupt etwas miteinander zu tun haben.  Da sitzt die eine gar gelangweilt im diffusen Sonnenlicht, die andere ist fasziniert von den herabstürzenden Wassermassen. Und doch spüren wir, wie eng sich beide verbunden fühlen auf eine unausgesprochene Weise.

(andere Menschenbilder)

Sich ins Träumen gucken

Ganz ungeniert träumen lässt Ulrike Schieferstein und uns mit ihren Gemälden. … oder lässt sie uns eher teilhaben?

Die Romantik früherer Jahre ist nicht verloren gegangen, hat aber Variationen erfahren. Im Grunde spricht Ulrike Schieferstein keine andere Sprache, als wir zum Beispiel von den „Mädchen in der Wiese“ kennen. Mit „Plantage“ nimmt die Malerin uns mal wieder mit auf eine Kopfreise. Und natürlich wissen wir, dass es mit Öl auf Leinwand „nur“ ein Gemälde ist. Trotzdem lassen wir uns gern zum Träumen mitreißen…

Träumen oder die Gedanken schweifen lassen…

„Plantage“ erinnnert ein wenig an ein älteres ihrer Werke – „Das schöne Leben“ – mit dem die Gedanken und Träume ähnlich dahinschweifen… Man kann sich gar nicht sattsehen. Und das ist nun die seltsame Kunst dieser Malerin: Wir können den Blick nicht lassen von ihren Gemälden – und laben doch nur von den Assoziationen, die Ulrike Schieferstein so ganz unangestrengt in uns weckt.

(andere Gemälde dieser Kategorie)